Ein Preis braucht ein Gesicht. Julian Jaitner hat es entworfen.
Am 6. März 2026 wurde im Nachbarschaftshaus Urbanstraße in Berlin der Helga Borghorst Frauenpreis zum ersten Mal vergeben. Der Preis, gestiftet von Dr. Hermann Borghorst zu Ehren seiner Frau – der ersten Berliner Staatssekretärin für Frauenfragen – würdigt jährlich ein Projekt, das sich in besonderer Weise für den Schutz und die Unterstützung von Frauen einsetzt. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an StoP Kreuzberg, ein Gewaltpräventionsprojekt, das Nachbarschaften dazu befähigt, bei häuslicher Gewalt hinzuschauen statt wegzusehen.
Das Gesicht dieses neuen Preises hat Julian Jaitner entworfen. Er ist Schüler im dritten Jahr der Grafikdesign-Ausbildung am Lette Verein Berlin.
Gestalten, bevor es eine Vorlage gibt.
Weil der Preis völlig neu war, gab es keine Vorlage, keine Tradition, kein bestehendes Corporate Design, an dem man sich hätte orientieren können. Alles musste von Grund auf entwickelt werden: Keyvisual, Bildsprache, Plakatgestaltung. Mehrere Grafikdesign-Schüler:innen des dritten Jahrgangs entwickelten dafür unabhängig voneinander ein eigenes Konzept – jede:r mit einem anderen Ansatz, einem anderen Blick auf das, was dieser Preis ausdrücken soll. Julians Entwurf überzeugte und wurde bei der Preisverleihung zum ersten Mal öffentlich gezeigt.
Eine zusätzliche Bedeutungsebene: Helga Borghorst hatte selbst am Lette Verein ihre Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin absolviert. Der Preis, der ihr Andenken trägt, trägt nun auch die Handschrift eines Schülers derselben Schule.
Warum das kein Schulprojekt war – sondern Berufsrealität.
Der Lette Verein Berlin bildet im Bereich Grafikdesign in drei Jahren aus. Vom ersten Jahr an arbeiten die Schüler:innen an realen Aufgabenstellungen, nicht an konstruierten Übungen. Ein Gestaltungswettbewerb mit externem Auftraggeber, verbindlichem Briefing und öffentlich sichtbarem Ergebnis ist dabei keine Ausnahme, sondern Teil des Ausbildungskonzepts.
Wer nach der Ausbildung in eine Agentur, ein Unternehmen oder die Selbstständigkeit geht, kennt diese Situation bereits – weil er oder sie sie im Unterricht bereits mehrfach durchlebt hat.
