Schere–Stil–Papier: Lettegrafik trifft Kunstbibliothek im Kulturforum Berlin

Wenn Schüler:innen ausstellen – im Kulturforum, nicht im Klassenraum.

Vom 23. Januar bis 1. März 2026 war im Kulturforum Berlin eine Ausstellung zu sehen, die ungewöhnlich war – nicht wegen ihres Themas, sondern wegen ihrer Entstehung. Alle zeitgenössischen Exponate stammten von Schüler:innen der Grafikdesign-Ausbildung am Lette Verein Berlin. Erarbeitet in drei Jahrgangsstufen, kuratiert gemeinsam mit der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin.

Das Ergebnis: Schere–Stil–Papier. Lettegrafik x Johanna Beckmann.

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Eine Künstlerin aus der Sammlung – und eine Frage.

Ausgangspunkt war das Werk von Johanna Beckmann (1868–1941), deren Scherenschnitte sich in der Sammlung der Kunstbibliothek erhalten haben. Zartlineare Zweige, Blüten, Ähren – geprägt von klaren Formen, starken Kontrasten und einer feinen Jugendstil-Handschrift. Die Frage, die das Projekt antrieb: Was passiert, wenn zeitgenössische Grafikdesign-Schüler:innen auf dieses über hundert Jahre alte Werk reagieren?

Eine zusätzliche Verbindung machte das Projekt noch bedeutsamer: Johanna Beckmann hatte selbst am Lette Verein ihre Ausbildung absolviert. Die Schüler:innen von heute traten damit in einen Dialog mit einer Absolventin von damals.

Drei Jahrgänge, ein öffentlicher Anspruch.

Alle drei Ausbildungsjahre waren in das Projekt eingebunden – jeder Jahrgang mit einem anderen Schwerpunkt und anderen Mitteln. Von Siebdruck und Cyanotypie über Typografie und Illustration bis hin zu Buchgestaltung und Bewegtbild entstand eine Ausstellung, die zeigte, wie vielfältig grafische Sprache sein kann.

Keyvisual und Ausstellungsgestaltung wurden im dritten Jahr unter der Leitung von Sarah Fricke und Katharina Matthies entwickelt. Eine Ausstellung im Kulturforum ist kein schulisches Abschlussformat – sie ist ein öffentlicher Raum mit professionellem Anspruch und einem Publikum, das nichts schenkt.

Dass die Arbeiten dort bestanden haben, ist das Ergebnis einer Ausbildung, in der reale Aufträge und echte Kooperationspartner von Anfang an zum Alltag gehören.

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